Wasserschloss Fürstlich Drehna im Winter – Stille und Schnee

Verschneites Wasserschloss Fürstlich Drehna in der winterlichen Niederlausitz
Das Wasserschloss Fürstlich Drehna liegt still und tief verschneit (AR 01/2026)

Das Wasserschloss Fürstlich Drehna in Brandenburg ist kein isoliertes Bauwerk, sondern Teil einer lang andauernden Geschichte, deren Ursprung in der wasserreichen Urlandschaft der Niederlausitz liegt.

Bereits in der Bronzezeit lebten Menschen in dieser Region, die von Flüssen, Wäldern und Mooren geprägt war. Doch mit der slawischen Besiedlung ab dem 6. Jahrhundert n. Chr. erhielt der Ort eine dauerhafte Bedeutung. Westslawische Gemeinschaften, später als Wenden oder Sorben bezeichnet, errichteten sogenannte slawische Burgwälle aus Holz und Erde. Diese Anlagen dienten nicht als Monumente, sondern als funktionale Zentren: Sie boten Schutz in unsicheren Zeiten, ermöglichten soziale Organisation und sicherten die Kontrolle über Wege, Ressourcen und Wasserläufe. Wasser war dabei zugleich Lebensgrundlage, Verkehrsweg und natürlicher Verteidigungsraum.

Tief verschneite Parklandschaft am Wasserschloss Fürstlich Drehna
Eine Landschaft, in der Geräusche vom Schnee geschluckt werden (AR 01/2026)

Auch am Standort des heutigen Fürstlich Drehna spricht vieles für eine solche slawische Vorgängeranlage. Zwar fehlen direkte schriftliche Belege, doch die topografische Lage, die Nähe zu Gewässern und regionale Vergleichsfunde deuten klar darauf hin, dass dieser Ort bereits früh befestigt war. Die Geschichte des Schlosses beginnt damit lange vor seiner ersten urkundlichen Erwähnung.

Mit der deutschen Ostsiedlung im 12. Jahrhundert wandelte sich die politische Ordnung grundlegend. Slawische Gebiete wurden in das feudale Herrschaftssystem des Heiligen Römischen Reiches integriert. Bestehende Burgplätze wurden übernommen, ausgebaut und in neue Machtstrukturen eingebunden. Aus dem slawischen Zentrum entwickelte sich im Hochmittelalter eine Wasserburg. Der Wassergraben blieb erhalten, doch Holz wurde zunehmend durch Stein ersetzt. Die Funktion änderte sich: Aus einem gemeinschaftlichen Schutzort wurde ein Herrschaftssitz, aus Zuflucht Verwaltung.

Tief verschneite Parklandschaft am Wasserschloss Fürstlich Drehna
Eine Landschaft, in der Geräusche vom Schnee geschluckt werden (AR 01/2026)

Die erste urkundliche Erwähnung von Drehna im Jahr 1301 fällt in eine Phase, in der die Burg bereits bestand. Im Spätmittelalter wurde die Anlage erweitert und verdichtet. Verteidigung spielte weiterhin eine Rolle, doch repräsentative Aspekte traten stärker in den Vordergrund. Die Wasserburg entwickelte sich zum Sitz lokaler Herrschaft und zum sichtbaren Zeichen sozialer Ordnung.

Im 16. und 17. Jahrhundert erfolgte der Wandel zum Schloss. Unter verschiedenen Adelsfamilien wurde die mittelalterliche Burg schrittweise umgestaltet. Renaissance- und barocke Bauelemente prägten Fassaden, Dächer und Innenräume. Trotz dieser Veränderungen blieb der mittelalterliche Kern erhalten, insbesondere im Grundriss und in Teilen des Mauerwerks. Das Schloss vereinte nun Wehrhaftigkeit, Wohnfunktion und Repräsentation.

Wasserschloss Fürstlich Drehna in der Niederlausitz, vollständig von Schnee bedeckt
Das Wasserschloss Fürstlich Drehna liegt still und tief verschneit im Januar 2026 (AR 01/2026)
Zugefrorener Schlosssee vor dem Wasserschloss Fürstlich Drehna im Januar
Der zugefrorene See verstärkt die winterliche Ruhe rund um das Schloss (AR 01/2026)

Mit dem Übergang an die Familie zu Lynar im frühen 19. Jahrhundert erhielt der Ort seinen heutigen Namen: Fürstlich Drehna. In dieser Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt endgültig von militärischer Funktion hin zu Gestaltung und Inszenierung. Der Schlosspark wurde nach Plänen des renommierten Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné in einen weitläufigen Landschaftsgarten umgewandelt. Natur erschien nun als bewusst gestalteter Raum – scheinbar frei, tatsächlich genau geplant.

Winterlicher Schlosspark Fürstlich Drehna mit hohem Schnee
Eine Landschaft, in der Geräusche vom Schnee geschluckt werden (AR 01/2026)

Der tiefgreifendste Einschnitt erfolgte im 20. Jahrhundert. Ab den 1970er Jahren rückte der Braunkohletagebau Schlabendorf-Süd bis in unmittelbare Nähe des Schlosses vor. Große Teile des historischen Schlossparks wurden zerstört, der Grundwasserspiegel massiv abgesenkt, umliegende Dörfer abgebrochen. Das Wasserschloss Fürstlich Drehna lag plötzlich am Rand eines industriellen Sperrgebiets. Jahrhunderte gewachsener Kulturlandschaft stand eine radikale Form industrieller Nutzung gegenüber.

Nach dem Ende des Tagebaus 1991 begann ein erneuter Wandel. Die ehemaligen Abbauflächen wurden rekultiviert, Gruben geflutet und neue Seen geschaffen, darunter der Drehnaer See. Wasser, das den Ort bereits in slawischer Zeit geprägt hatte, wurde erneut zum bestimmenden Element – diesmal als Symbol für Transformation und Neubeginn.

Sperrgebietsschild „Betreten verboten – Lebensgefahr“ am Rand des Schlossparks Fürstlich Drehna
Am Rand des Schlossparks beginnt das ehemalige Tagebaugebiet – sichtbar durch Warn- und Sperrschilder (AR 01/2026)

Heute ist das Wasserschloss Fürstlich Drehna Teil einer vielschichtigen Kulturlandschaft, in der sich slawische Geschichte, mittelalterliche Wasserburg, fürstliches Schloss, Landschaftspark und Industriegeschichte der Lausitz überlagern. Der Ort zeigt eindrücklich, dass Geschichte kein linearer Prozess ist, sondern ein fortwährender Dialog zwischen Mensch und Landschaft. Wer Fürstlich Drehna besucht, begegnet nicht nur einem Schloss, sondern einem verdichteten Kapitel brandenburgischer und mitteleuropäischer Geschichte. (AR 01/2026)

Quellennachweis:

kuladig.de, Naturpark Niederlausitzer Landrücken, schloesser-gmbh.de

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