Die Herkunft der Wildpferde von Livno – Als der Mensch ging, blieben die Pferde

Wie der Wandel der Landwirtschaft, die Mechanisierung und die gesellschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts eine außergewöhnliche Pferdepopulation im Herzen Bosnien-Herzegowinas entstehen ließen.

Eine Gruppe frei lebender Pferde steht verteilt auf einer weitläufigen, steinigen Grasfläche bei Livno in Bosnien-Herzegowina.
Unter einem dunklen Himmel verteilen sich die Wildpferde von Livno auf den kargen Hochweiden von Kruzi – einer Landschaft, die zugleich Lebensraum und Herausforderung ist (AR 10/2026)

Wer heute auf den weiten Hochflächen oberhalb der bosnischen Stadt Livno Pferdeherden beobachtet, könnte glauben, eine Landschaft zu erleben, die seit Jahrhunderten unverändert geblieben ist. Pferde ziehen über ausgedehnte Grasflächen, verschwinden hinter sanften Geländekuppen und tauchen vor der Kulisse des Cincar-Gebirges wieder auf. Wind, Wetter und Jahreszeiten bestimmen ihren Tagesrhythmus.

Dunkelbraunes Pferd mit langer schwarzer Mähne steht im trockenen Gras neben einem Strauch und blickt zur Kamera.
Ein Moment der Aufmerksamkeit: Ein dunkelbraunes Pferd hält neben einem Strauch inne und blickt direkt in die Kamera (AR 10/2026)

Es ist ein faszinierender Anblick. Die Tiere bewegen sich mit einer Selbstverständlichkeit durch diese offene Landschaft, als hätten sie schon immer hier gelebt. Keine Zäune begrenzen sichtbar ihren Weg, kein Hirte treibt sie über die Weiden. Die Weite vermittelt ein Gefühl von Freiheit, das in den dicht besiedelten Landschaften Europas selten geworden ist.

Doch gerade dieser Eindruck führt zu einer bemerkenswerten historischen Frage: Wie kamen diese Pferde hierher, und weshalb leben sie heute weitgehend unabhängig vom Menschen?

Asphaltierte Straße führt durch eine weitläufige, steinige Berglandschaft bei Livno. Rechts stehen Windkraftanlagen auf einem Höhenzug, darüber türmen sich mächtige Wolken.
Eine Straße durchzieht die weiten Hochflächen bei Livno, während Windkraftanlagen auf den Bergrücken stehen. Die Landschaft der Wildpferde ist zugleich ein vom Menschen genutzter Raum (AR 10/2026)

Die Antwort beginnt nicht mit einer ursprünglichen Wildpferdepopulation. Sie beginnt auf den Bauernhöfen der Region, mit der traditionellen Landwirtschaft und einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel.

Pferde als unverzichtbare Arbeitskräfte einer bäuerlichen Gesellschaft

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war das Leben in den ländlichen Regionen Bosnien-Herzegowinas von kleinbäuerlicher Landwirtschaft, Viehhaltung und körperlich anspruchsvoller Arbeit geprägt.

Gerade in den Bergregionen rund um Livno waren die Bedingungen schwierig. Das Gelände ist vielerorts steinig, die Vegetationsperiode aufgrund der Höhenlage und des Klimas verkürzt. Landwirtschaftliche Flächen, Weideland und Siedlungen waren über Wege miteinander verbunden, die nicht überall für motorisierte Fahrzeuge geeignet waren.

Ein dunkelbraunes Pferd blickt zwischen hohem, trockenem Gras zur Kamera, während rechts daneben ein graues Pferd mit dem Kopf nach unten grast.
Während ein Pferd aufmerksam seine Umgebung beobachtet, grast das andere ungestört. Zwei unterschiedliche Verhaltensweisen im selben Augenblick (AR 10/2026)

Unter diesen Voraussetzungen besaßen Pferde einen erheblichen wirtschaftlichen Wert.

Sie dienten als Zugtiere bei der Bodenbearbeitung, transportierten landwirtschaftliche Erzeugnisse und Brennholz und ermöglichten die Beförderung von Menschen und Waren. Gemeinsam mit anderen Nutztieren waren sie Teil eines landwirtschaftlichen Systems, in dem tierische Arbeitskraft eine wichtige Grundlage des bäuerlichen Lebens bildete.

Ein dunkelbraunes Pferd mit schwarzer Mähne steht frontal zur Kamera im goldgelben, hohen Gras vor dichtem Strauchwerk.
Zwischen trockenem Gras und dichtem Buschwerk richtet ein Pferd seinen Blick auf den Fotografen – ein stiller Moment in der Berglandschaft von Livno (AR 10/2026)

Dabei waren Pferde weit mehr als austauschbare Arbeitsgeräte. Ihre Anschaffung, Fütterung und Haltung bedeuteten einen erheblichen Aufwand. Ihre Leistungsfähigkeit konnte unmittelbar darüber entscheiden, wie effizient ein landwirtschaftlicher Betrieb arbeiten konnte.

Die Tiere waren an den Umgang mit Menschen gewöhnt und kannten die Arbeitsabläufe. Pferde wurden in der Region über Generationen als Nutztiere gehalten.

Die Vorfahren der heutigen frei lebenden Pferde von Livno waren also keine ursprünglichen Wildtiere. Sie gehörten zu einer vom Menschen geprägten bäuerlichen Kulturlandschaft.

Die Mechanisierung – als Pferdestärken durch Motoren ersetzt wurden

Mit der fortschreitenden Technisierung der Landwirtschaft veränderte sich die Rolle der Pferde grundlegend.

Im sozialistischen Jugoslawien setzte nach dem Zweiten Weltkrieg ein umfassender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Strukturwandel ein. Industrialisierung, Urbanisierung, der Ausbau von Verkehrswegen und die zunehmende Verfügbarkeit landwirtschaftlicher Maschinen veränderten die traditionellen Produktionsweisen.

Panoramablick über eine ausgedehnte, trockene Hochebene mit vereinzelten Sträuchern, sanften Bergzügen und tief hängenden, dunklen Wolken bei Livno.
Bis zum Horizont erstrecken sich die offenen Hochflächen der Region Livno. Zwischen kargen Graslandschaften und entfernten Bergen zeigt sich die enorme Weite des Lebensraums der Wildpferde (AR 10/2026)

Dieser Wandel verlief keineswegs überall gleich schnell. Besonders in abgelegenen Bergregionen hielten sich ältere Wirtschaftsformen länger als in den landwirtschaftlich besser erschlossenen Ebenen.

Doch langfristig konnten auch hier Maschinen viele Aufgaben übernehmen, für die zuvor Pferde benötigt worden waren.

Sonnenbeschienene, steinige Hügel mit trockenen Grasflächen und vereinzelten Büschen unter mächtigen Quellwolken. Im Vordergrund steht ein Strommast.
Kalkstein, trockene Grasflächen und vereinzelte Gehölze prägen die Hügellandschaft. Der Strommast erinnert daran, dass auch diese scheinbar ursprüngliche Umgebung Teil einer genutzten Kulturlandschaft ist (AR 10/2026)

Ein Traktor konnte schwere Arbeiten schneller verrichten. Motorisierte Fahrzeuge erleichterten den Transport. Gleichzeitig verließen zahlreiche Menschen die ländlichen Regionen, um Beschäftigung in Städten oder im Ausland zu finden.

Für die Pferde hatte dieser Wandel eine unmittelbare Konsequenz: Ihre wirtschaftliche Bedeutung nahm ab.

Ein Arbeitspferd benötigte weiterhin Futter, Wasser, Pflege und Unterbringung, auch wenn seine Arbeitsleistung nicht mehr gebraucht wurde. Für landwirtschaftliche Haushalte, deren Lebens- und Wirtschaftsweise sich veränderte, wurde die Haltung zunehmend unattraktiv.

Ein graues Pferd und ein kleineres dunkelbraunes Pferd stehen dicht beieinander im trockenen Gras unter überhängenden Zweigen.
Zwei Pferde stehen eng beieinander unter einem Strauch. Die Aufnahme zeigt einen ruhigen Augenblick des Zusammenlebens in der frei lebenden Population (AR 10/2026)

Vor allem seit den 1970er-Jahren verloren viele Arbeitspferde in der Region Livno durch die zunehmende Mechanisierung der Landwirtschaft ihre bisherige Funktion. Zahlreiche Besitzer ließen ihre nicht mehr benötigten Tiere auf den weitläufigen Hochweiden frei. Dort fanden die Pferde Nahrung und Raum, um sich in Gruppen zusammenzuschließen und fortzupflanzen.

Dunkelbraunes Pferd mit langer schwarzer Mähne senkt den Kopf und frisst trockenes Gras auf einer sonnigen Weide bei Livno.
Die Nahrungssuche bestimmt einen großen Teil des Tages. Auf den Hochweiden von Kruzi müssen sich die Pferde ihr Futter selbst erschließen (AR 10/2026)

Aus diesen ehemals domestizierten Arbeitspferden entwickelte sich über mehrere Generationen die heutige frei lebende Population. Ein genaues Jahr, in dem dieser Prozess begann, oder eine gesicherte Zahl der ursprünglich freigelassenen Tiere lässt sich aus den verfügbaren historischen Darstellungen nicht bestimmen.

Das ist der entscheidende historische Wendepunkt in der Entstehung der heutigen Population.

Die Pferde wurden nicht ausgewildert, um eine Wildtierart wiederanzusiedeln. Vielmehr verloren domestizierte Tiere ihre bisherige Funktion innerhalb einer sich verändernden Landwirtschaft.

Weite, goldbraune Hochebene mit sanften Hügeln und vereinzelten Büschen. Sonnenlicht fällt durch Lücken einer mächtigen Wolkendecke auf die Landschaft.
Wolken werfen großflächige Schatten über die Hochweiden, während einzelne Landschaftsbereiche im Sonnenlicht liegen. Das wechselhafte Wetter verleiht der Karstlandschaft eine besondere Dramatik (AR 10/2026)

Was aus menschlicher Sicht ein wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Rückzug war, eröffnete den Pferden die Möglichkeit, sich zunehmend selbstständig in der Landschaft zu behaupten.

Der Bosnienkrieg und die gesellschaftlichen Umbrüche der 1990er-Jahre

Ein weiterer Einschnitt folgte mit dem Zerfall Jugoslawiens und dem Bosnienkrieg von 1992 bis 1995.

Der Krieg hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die Bevölkerung, die Wirtschaft und die ländlichen Lebensverhältnisse Bosnien-Herzegowinas. Flucht, Vertreibung, Zerstörung und wirtschaftliche Unsicherheit führten vielerorts dazu, dass landwirtschaftliche Betriebe aufgegeben oder nur noch eingeschränkt bewirtschaftet wurden.

Panorama einer weitläufigen, goldbraunen Berglandschaft mit vereinzelten Sträuchern und einer kurvigen Straße links im Tal. Darüber wechseln sich blauer Himmel und große Wolkenfelder ab.
Eine schmale Straße windet sich durch die weite Berglandschaft. Darüber öffnet sich ein gewaltiger Himmel – ein eindrucksvoller Blick auf die Hochflächen, in denen die Wildpferde von Livno leben (AR 10/2026)

Auch nach dem Krieg blieb die Entwicklung vieler ländlicher Gebiete von Abwanderung, wirtschaftlicher Neuorientierung und dem Rückgang traditioneller Landwirtschaft geprägt.

Diese gesellschaftlichen Veränderungen bildeten einen wichtigen Hintergrund für die weitere Entwicklung der Region, in der die frei lebenden Pferde von Livno bereits heimisch geworden waren. In welchem Umfang die Kriegsfolgen die Größe oder Zusammensetzung der Pferdepopulation unmittelbar beeinflussten, ist allerdings nicht ausreichend dokumentiert.

Deshalb ist eine historische Unterscheidung wichtig: Die Entstehung dieser Population wird bereits mit dem längerfristigen Rückgang der Pferdehaltung infolge der Mechanisierung in Verbindung gebracht. Der Krieg war daher nicht ihr alleiniger Ursprung. Er gehört vielmehr zu den zusätzlichen Umbrüchen, die das Verhältnis zwischen Menschen, Landwirtschaft und Landschaft nachhaltig veränderten.

Die Geschichte der Pferde ist damit auch eine Geschichte der Menschen, die diese Region bewohnten – und der Lebensformen, die im Laufe weniger Generationen verschwanden.

Die Hochflächen von Kruzi – eine Landschaft wird zum Lebensraum

Die ausgedehnten Hochweiden von Kruzi am Cincar-Gebirge boten den Pferden Voraussetzungen, die ihre weitere Entwicklung begünstigten.

Offene Graslandschaften stellten Nahrung bereit. Die weiträumige Topografie ermöglichte es den Tieren, sich zwischen unterschiedlichen Weideflächen zu bewegen. Geländestrukturen und jahreszeitliche Veränderungen beeinflussten, wo sich die Pferde aufhielten und welche Bereiche sie nutzten.

Ein kräftiges graues Pferd steht seitlich im goldenen Gras und blickt zur Kamera. Seine lange Mähne und sein Schweif werden vom Wind bewegt.
Der Wind erfasst Mähne und Schweif eines grauen Pferdes. Eine Momentaufnahme, in der die Schönheit und Eigenständigkeit der frei lebenden Tiere besonders deutlich werden (AR 10/2026)

Allerdings ist diese Umgebung keineswegs so unberührt, wie sie auf den ersten Blick erscheint.

Die Region gehört zu den Karstlandschaften der Dinariden. Kalkgestein, flachgründige Böden, unterirdische Entwässerung und örtlich begrenzte Wasserstellen prägen die natürlichen Bedingungen. Hinzu kommt eine lange Geschichte menschlicher Weidewirtschaft.

Die offenen Hochflächen sind deshalb nicht einfach das Ergebnis einer Natur, die nie vom Menschen beeinflusst wurde. Ihre heutige Erscheinung ist auch mit der historischen Beweidung, der Mahd und weiteren Formen der Landbewirtschaftung verbunden.

Gerade diese Verbindung macht den Lebensraum so bemerkenswert: Eine über Jahrhunderte vom Menschen mitgestaltete Kulturlandschaft wurde zum Lebensraum für Tiere, die selbst aus der traditionellen Landwirtschaft hervorgegangen waren.

Die Pferde fanden hier keine mühelose Idylle. Sie mussten mit jahreszeitlich wechselndem Nahrungsangebot, Witterung und begrenzten Wasserressourcen zurechtkommen.

Die weiten Grasflächen, die im Sommer beinahe grenzenlos erscheinen, sind im Winter ein wesentlich anspruchsvollerer Lebensraum.

Vom Haustier zum frei lebenden Pferd

Die Entwicklung der Livno-Pferde lässt sich biologisch als Verwilderung bezeichnen. In der Fachsprache wird dafür auch der englische Begriff feralization verwendet.

Darunter versteht man den Prozess, bei dem domestizierte Tiere über längere Zeit ohne regelmäßige menschliche Haltung leben, sich selbstständig fortpflanzen und zunehmend Verhaltensweisen zeigen, die ein Überleben unter natürlichen Umweltbedingungen ermöglichen.

Nahaufnahme eines dunkelbraunen Pferdes mit schwarzer Mähne, das seinen Kopf zum trockenen Gras senkt. Die helle Schnauze ist seitlich zu sehen.
Abseits der großen Herden und weiten Landschaften zeigt sich das Leben der Wildpferde auch in unspektakulären Momenten: ein gesenkter Kopf, trockenes Gras und die Suche nach Nahrung (AR 10/2026)

Das bedeutet jedoch nicht, dass aus ihnen innerhalb weniger Generationen wieder eine ursprüngliche Wildpferdepopulation geworden wäre.

Die Pferde von Livno sind Nachkommen domestizierter Hauspferde (Equus ferus caballus). Ihre Abstammung unterscheidet sie von ursprünglich wild lebenden Pferdepopulationen, deren Geschichte nicht auf eine vergleichbare Freilassung ehemaliger Nutztiere zurückgeht.

Was sich verändert hat, ist vor allem ihre Lebensweise.

Die Tiere suchen selbstständig Nahrung, bewegen sich in sozialen Verbänden, wählen Aufenthaltsorte und reagieren auf klimatische Veränderungen, Konkurrenz und andere Umweltbedingungen.

Jungtiere wachsen in einer Umgebung auf, in der sie das Verhalten der erwachsenen Pferde beobachten und eigene Erfahrungen sammeln. Zugleich können natürliche Selektionsprozesse auf die Population einwirken. Ob und in welchem Umfang sich dadurch bei den Livno-Pferden bereits erbliche Anpassungen entwickelt haben, lässt sich ohne entsprechende genetische und populationsbiologische Untersuchungen nicht zuverlässig beurteilen.

Gerade diese Unterscheidung macht die Geschichte wissenschaftlich interessant.

Die Pferde sind nicht deshalb faszinierend, weil sie niemals domestiziert wurden. Sie sind faszinierend, weil sie nach einer langen Geschichte der Domestikation wieder ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führen.

Eine Freiheit, die aus menschlichen Entscheidungen entstand

Wenn ich diese Pferde in der offenen Berglandschaft betrachte, liegt für mich die besondere Faszination nicht allein in ihrer Schönheit.

Es ist der Gegensatz zwischen ihrer Herkunft und ihrer heutigen Lebensweise.

Nahaufnahme des Kopfes eines grauen Pferdes mit langer, zerzauster Mähne, aufgerichteten Ohren und direktem Blick zur Kamera.
Ein direkter Blick, eine vom Wind zerzauste Mähne: Hinter der Geschichte einer ganzen Pferdepopulation stehen einzelne Tiere mit unverwechselbarem Erscheinungsbild (AR 10/2026)

Ihre Vorfahren waren eng mit dem Alltag der Menschen verbunden. Sie arbeiteten auf Feldern, trugen Lasten und waren Teil einer Wirtschaftsweise, die heute in weiten Teilen verschwunden ist.

Ihre Nachkommen bewegen sich nun in Herden über die Hochflächen, suchen ihre Nahrung selbst und leben nach sozialen und ökologischen Gesetzmäßigkeiten, die nicht mehr unmittelbar von einem Besitzer vorgegeben werden.

Und doch wäre es falsch, diese Tiere als Beweis für eine vom Menschen unberührte Natur zu verstehen.

Ihre Anwesenheit ist vielmehr eine unmittelbare Folge menschlicher Geschichte.

Vielleicht ist es gerade das, was mich an den Wildpferden von Livno so begeistert: Sie verkörpern nicht die Abwesenheit des Menschen, sondern eine überraschende Entwicklung, die aus seinem Rückzug entstanden ist.

Sie zeigen, dass Landschaften nicht statisch sind. Ihre Bedeutung und Nutzung verändern sich, und mit ihnen entstehen neue ökologische Beziehungen.

Was einst Arbeitskraft war, wurde Teil einer frei lebenden Population. Was einst landwirtschaftlich genutztes Weideland war, ist heute zugleich Lebensraum, Naturerlebnis und Gegenstand gesellschaftlicher Verantwortung.

Die Wildpferde von Livno sind keine Überbleibsel einer unberührten Urzeit. Sie sind lebendige Zeugen des Wandels einer ganzen Region.

Und genau darin liegt für mich ihre außergewöhnliche Geschichte. (AR 10/2026)

Quellen:

Livno Wild Horses – History of Wild Horses
Historischer Hintergrund zur Entstehung der frei lebenden Pferdepopulation, zur Freilassung ehemaliger Arbeitspferde und zum Lebensraum Kruzi.

Livno.org – Livanjski divlji konji
Regionale Informationen zur Geschichte der Wildpferde von Livno und zu den Freilassungen im Zuge der landwirtschaftlichen Mechanisierung.

Centar za građansku suradnju – Nepopravljiva šteta (2023)
Regionale Berichterstattung über die frei lebenden Pferde, ihre Entwicklung und die Gefährdung ihres Lebensraums.

Nature (2021) – The origins and spread of domestic horses from the Western Eurasian steppes
Wissenschaftliche Untersuchung zur Abstammungs- und Domestikationsgeschichte heutiger Hauspferde. Diese Arbeit dient dem biologischen Hintergrund und untersucht nicht speziell die Pferde von Livno.

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