Immer noch liegt Europa unter einer gewaltigen Hitzeglocke. Die Sonne brennt, Böden trocknen aus, Städte speichern Wärme wie Öfen. Wir alle wissen inzwischen, wie wertvoll jeder Baum ist.
Vor wenigen Tagen fiel mir auf einer Baustelle ein kleines Bäumchen auf. Jung, kräftig grün, voller Leben. Eigentlich geschützt durch Absperrung und Holzkäfig. Doch der verschwand nach und nach unter Brettern, Paletten und Holzresten. Nicht aus Bosheit. Aus Bequemlichkeit. „Hier passt es gerade hin.“
Heute Morgen kam ich wieder vorbei.
Der Holzberg war verschwunden.
Das Bäumchen auch.
Dort, wo es stand, liegt jetzt sauber verteilter Schotter. Als hätte dort nie etwas gewachsen. Nur zwischen dem aufgestapelten Altholz fand ich noch seine etwa 1,50 Meter lange Krone. Der Rest war abgesägt und zerkleinert.

Ich kenne den Grund für das Fällen nicht. Ich kenne nur die Bilder, die eine Geschichte erzählen.

Zukunft verschwindet selten plötzlich. Sie verschwindet leise (AR 06/2026)
Zukunft verschwindet selten auf einen Schlag. Sie verschwindet leise. Durch viele kleine Entscheidungen, die einzeln belanglos wirken. Irgendwann bleibt nur noch ein „sauberer“ Platz zurück, und niemand ahnt, dass dort einmal Zukunft wachsen wollte. (AR 06/2026)