The forest types of Mata Atlântica (english version)
Der Atlantische Wald, auch bekannt als Mata Atlântica, beherbergt einen Gürtel verschiedenster Waldtypen, der sich einst über 3000 Kilometer entlang der Atlantikküste im Osten Brasiliens erstreckte und mehr als 1 Million Quadratkilometer umfasste. Der Atlantische Wald vereinigte sehr unterschiedliche Waldformationen wie Tieflandregenwälder in der schmalen Küstenebene, Trockenwälder im Landesinneren des Nordostens und Araukarienwälder im südlichen Bergland Brasiliens. Heute sind von diesen Urwäldern nur noch ca. 7 Prozent übrig – kleine Inseln in einer vom Menschen geprägten Kulturlandschaft.
Je nach Höhenlage unterscheidet man zwischen Mangrovenwälder in Küstennähe, den Tieflandregenwäldern und den Bergregenwäldern.
In den Regenwäldern der Mata Atlântica, wo die Lebensräume, Niederschläge und Temperaturen stark variieren, vermuten Forscher eine größere Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten im Vergleich zum Amazonasgebiet. Trotzdem sind mittlerweile 94 Prozent der Küstenregenwälder zerstört und es existieren nur noch isolierte Fragmente. Dennoch gibt es in dieser Region heimische Tierarten wie Kragenfaultiere und Löwenäffchen, die sogar am Zuckerhut, dem bekannten Berg inmitten der Millionenstadt Rio de Janeiro, zu finden sind.
Aufgrund der hohen Niederschläge, insbesondere an den Berghängen, herrscht eine dichte Vegetation vor. Dort bilden bis zu 60 Meter hohe Bäume eine geschlossene grüne Baumkrone, die ein immerfeuchtes und schattiges Mikroklima erzeugt. In diesem Lebensraum wachsen verschiedene Pflanzentypen in mehreren Schichten übereinander.
Typische und häufige Pflanzen in der Mata Atlântica sind Moose, Cipós (Kletterpflanzen), Bromelien und Orchideen. Es wird geschätzt, dass es in dieser Region, einschließlich Insekten, etwa 1,6 Millionen Arten gibt. Von diesen sind mindestens 8.000 Pflanzen- und Tierarten endemisch, das bedeutet, sie kommen nur hier vor. Diese endemischen Arten umfassen 55% der Baumarten, 70% der Bromelien, 64% der Palmen, 39% der Säugetiere, 160 Vogelarten und 183 Amphibien. Mit Sicherheit ist anzunehmen, daß schon viele Arten ausgestorben sind, bevor sie katalogisiert wurden. Unter den bedrohten Tierarten in der Mata Atlântica finden sich beispielsweise das Kragenfaultier, Büschelaffen und Löwenäffchen.
In den tropischen Wäldern funktioniert der Jahreszyklus in der Regel nicht durch große Temperaturschwankungen wie in Europa im Sommer und Winter, sondern durch die Niederschlagsmenge pro Monat. In den tropischen Bergnebelwäldern ist es beispielsweise etwas kühler und es regnet etwas mehr als in den tropischen Tieflandregenwäldern. Letztere weisen über den gesamten Jahresverlauf hinweg selten hohe Temperaturschwankungen auf. Im Übrigen erzeugt der Amazonas-Regenwald 50-80% des Regens durch Verdunstung selbst.
Immergrüne tropische Tieflandregenwälder
Sie sind zu finden im Tiefland bis zu ca. 1.200 m über dem Meeresspiegel. Es herrscht perhumides Klima (keine Trockenmonate), jährlich gleichbleibend hohe Niederschläge (1.600 mm und mehr). Die Durchschnittstemperatur des kältesten Monats liegt bei mindestens 18°C, während die Jahresdurchschnittstemperatur in der Regel über 24°C liegt.
Die Pflanzen verlieren nie zur gleichen Zeit ihr Laub und befinden sich in Lebensgemeinschaften auf unterschiedlichen Ebenen (im sogenannten Stockwerkbau zwischen Boden und Baumkronen).
Halbimmergrüne tropische Regenwälder
Sind häufig im Übergangsbereich zwischen den immergrünen tropischen Regenwäldern und den Monsunwäldern, bzw. Trockenwäldern zu finden. Die Niederschläge betragen mindestens 1.200 mm und die Trockenzeit dauert 3-4 Monate.
Die Pflanzenwelt wirft nie zur gleichen Zeit ihr Laub ab und besteht aus geschlossenen, hochwüchsigen Waldflächen, wobei einzelne Bäume bis zu 45 m hoch wachsen können. Sehr häufig kommen große, holzige Kletterpflanzen vor.
Tropische Trockenwälder
Kommen in Tropengebieten vor, bei denen die Niederschläge im Jahresverlauf stark schwanken und Trockenzeiten 5-8 Monate möglich sind.
Die Pflanzen sind an die langen Trockenphasen angepasst, sie haben Wasserspeichergewebe im Stamm oder in den Blättern ausgebildet. Viele Baumarten werfen ihre Blätter ab und bilden diese zu Beginn der Regenzeit neu. Je länger die Trockenzeiten andauern, desto schwieriger wird es für das Wachstum der Bäume. Die Trockenwälder werden immer lichter und gehen dann allmählich über in Savannen, welche von Gräsern mit kurzen Vegetationsperioden dominiert werden.
Tropische Bergnebelwälder
Befinden sich in Höhen ab 1.200 m bis zu 3.900 m.
Die Bäume sind zu Teilen durch Moose und Kleinfarne bedeckt. Überständer, also Bäume die alle anderen überragen, und Stützwurzeln sind selten, weil sie in den Hanglagen der höher gelegenen tropischen Bergregenwälder meist keinen Halt mehr finden.
Beginnend ab ca. 1.200 Höhenmetern gehen die Tieflandregenwälder schrittweise in Bergregenwälder über. Mit fallender Durchschnittstemperatur unter 18 Grad Celsius werden viele Baumarten des Tieflands durch Arten verdrängt, die an das Leben in Bergregionen angepasst sind. So weichen die imposanten Bäume aus den mehrstöckigen Tieflandregenwäldern schrittweise weniger hohen Bäumen. Die Stämme und Zweige der Bäume werden knorriger, die Baumkronen kompakter, und die Blätter kleiner, dicker und härter. Holzige Kletterpflanzen wie Lianen und verschwinden, hingegen werden Aufsitzerpflanzen (Epiphyten), z.B. Orchideen, Farne, Bromelien und Moose mit zunehmender Höhe zahlreicher.
Es folgt der Versuch einer Einteilung tropischer Bergregenwälder nach Höhenmetern, wobei auffällig ist, daß der Bewuchs der Bäume mit Moosen in den höheren Lagen zunimmt:
Untere Bergregenwälder
Höhen ab ca. 1.200 Metern; Baumhöhen 15 bis 35 Meter; zwei- bis dreistöckige Vegetation; reicher Bewuchs mit Epiphyten; Beginn der Wolkenbildung; 10% Moosbewuchs an den Stämmen.
Obere Bergregenwälder
Höhen ab ca. 2.000 Metern; Baumhöhen 2 bis 20 Meter; starke Wolkenbildung; Unterteilung in untere Bergnebelwälder mit 25 bis 50% Moosbewuchs an den Stämmen und obere Bergnebelwälder mit 70 bis 80% Moosbewuchs an den Stämmen.
Subalpine Bergnebelwälder
Höhe ab ca. 2.800 Meter; durchschnittliche Temperatur höhenbedingt weniger als 10°C; extrem niedrig wachsende Bäume; wenige Epiphyten; viel Nebel und Wolken und deswegen auch viel Moosbewuchs an den Stämmen.
Tropische Bergregenwälder sind meist sehr artenreich und werden deshalb als Hotspots der Artenvielfalt betrachtet. Die Niederschlagsmengen in Bergregenwäldern sind üblicherweise höher als in Tieflandregenwäldern. Bergregenwälder gibt es hauptsächlich in Mittel- und Südamerika und Südostasien. Insbesondere die östliche Andenregion ist einer der wichtigsten Hotspots der Artenvielfalt. Vereinzelt gibt es Bergregenwälder auch in Afrika.
Mangrovenwälder
Sind an den (Weichboden)Küsten tropischer Regionen zu finden und erleben täglich Überflutungen durch die Gezeiten.
Bemerkenswert sind die auffälligen Stelzwurzeln (auch Stützwurzeln, Bezeichnung für die am unteren Stammteil entspringenden, sproßbürtigen und kräftigen Wurzeln). Die Samen keimen auf der Mutterpflanze aus. Mangrovenwälder sind zwar erheblich artenärmer als andere Waldformationen, dafür stellen sie die Kinderstube für viele Meerestiere.